Das Echo...
Presse
20.07.05
Auf dem Atompfad ins Endlager
Entgegen früheren Versprechungen von Rot-Grün gibt es vier
Halden für radioaktiven Müll
Von Reimar Paul
Zu Fuß und mit Fahrrädern wollen
Umweltschützer in den kommenden Tagen die vier deutschen Standorte für atomare
Endlager erkunden. Start der Aktion »Atompfad 2005« ist heute in Salzgitter.
Von dort geht es über Wolfenbüttel und Morsleben nach Gorleben. Die Wanderer
und Radler werden sich zunächst über die Situation an den Standorten
informieren und anschließend mit Straßentheater-Stücken und Kundgebungen über
die Risiken der Atomkraft aufklären. ND stellt die Endlager-Standorte vor.
Wie ein Wahrzeichen ragt der Förderturm von Schacht Konrad, einem still
gelegten Eisenerzbergwerk, aus der flachen Landschaft bei Salzgitter. Die nach
dem früheren deutsch-nationalen Reichstagsabgeordneten und langjährigen
Aufsichtsratsvorsitzenden der Salzgitter AG, Konrad Ende, benannte Grube war nur
elf Jahre in Betrieb, bevor sie 1975 wegen Unrentabilität wieder geschlossen
wurde. 1982 beantragte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beim Land
Niedersachsen die Genehmigung als Endlager. Mit dem Amtsantritt der rot-grünen
Bundesregierung schien das Projekt vom Tisch. Im Koalitionsvertrag stand, dass
in Deutschland nur ein Endlager für alle Arten von Atommüll eingerichtet
werden soll. Konrad kann aber keine stark strahlenden Abfälle aufnehmen. Der
Bund hielt den Genehmigungsantrag trotzdem aufrecht, 2002 erging der
Planfeststellungsbeschluss. Danach können bis zu 300 000 Kubikmeter schwach-
und mittelradioaktive Abfälle in dem Bergwerk eingebunkert werden. Eine
Landwirtsfamilie und mehrere Kommunen haben gegen die Genehmigung geklagt. Die
Klagen haben aufschiebende Wirkung, weil das BfS auf sofortigen Vollzug der
Genehmigung verzichtete. Der Rechtsstreit kann sich noch mehrere Jahre
hinziehen.
Ein riesiges Rohr pustet feinen Salzstaub in einen Hohlraum von der Größe
eines Kirchenschiffs. Auf dem Boden der unterirdischen Kammer liegen Atommüll-Fässer.
Das Endlager Asse II bei Wolfenbüttel (Niedersachsen) wird für immer
verschlossen. 2013 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Von 1909 bis 1964
hatten Bergleute hier Kali- und Steinsalz gefördert, dann erwarb der Bund die
Grube für 700 000 Mark und übertrug sie der Gesellschaft für
Strahlenforschung als »Forschungsendlager«. 125 000 Fässer mit schwachund
1300 Fässer mit mittelradioaktivem Atommüll wurden in die Asse gebracht. Ab
1974 erfolgte die Einlagerung per Versturztechnik - Schaufelradlader kippten die
Tonnen über Abhänge auf tiefer gelegene Sohlen. Seit einigen Jahren dringt
Salzlauge ins Bergwerk, zwölfeinhalb Kubikmeter pro Tag. Atomgegner warnen
daher vor einem »Absaufen« der Grube. Sollte die Lauge mit den Müllfässern
in Kontakt kommen, könnten diese verrosten, wodurch radioaktive Teilchen
freigesetzt und ins Grundwasser gelangen werden. Die Umweltschützer fordern ein
atomrechtliches Stilllegungs-Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung.
Im Endlager Morsleben krachte im Herbst 2001 ein tonnenschwerer Salzbrocken von
einer Zwischendecke. Das BfS ordnete umgehend Notfallmaßnahmen an und ließ
mehrere Hohlräume mit zermahlenem Salzgestein verfüllen. Anderthalb Jahre später
schlug die Behörde erneut Alarm, als ganze Teile der Anlage einzustürzen
drohten. Das ehemalige DDR-Endlager im Salzstock Morsleben (Sachsen-Anhalt) war
1990 in den Besitz des Bundes übergegangen. Auf die eingelagerten 15 000
Kubikmeter schwach- und mittelaktiven Atommülls packte die Bundesregierung noch
mal 25 000 Kubikmeter drauf - Abfälle aus Atomforschungszentren, Krankenhäusern
und Komponenten des abgerissenen Atomkraftwerks Würgassen an der Weser. 1998
verhängte das Oberverwaltungsgericht Magdeburg einen Einlagerungsstopp, derzeit
läuft das Verfahren zur endgültigen Stilllegung. Die Gefahr eines
Teil-Einsturzes besteht derweil weiter. Was dann passiert, ist umstritten. Während
die Behörden eine Freisetzung von Radioaktivität an die Umwelt für sehr
unwahrscheinlich halten, befürchtet der BUND dramatische Folgen. 1977 wurden Pläne
bekannt, in der strukturschwachen Region um Gorleben (Niedersachsen) ein »Nukleares
Entsorgungszentrum« zu bauen - mit End-, Zwischenlager und
Wiederaufarbeitungsanlage. Im dünn besiedelten Wendland, so das Kalkül, würden
die Leute schon nichts gegen die Pläne haben, zumal Arbeitsplätze damit
verbunden sein sollten. Doch Politik und Atomwirtschaft verrechneten sich. Wegen
erbitterter Proteste der Bevölkerung und auswärtiger Atomgegner musste das
Vorhaben erheblich abgespeckt werden. Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU)
erklärte seinerzeit eine Wiederaufarbeitungsanlage in Gorleben für nicht
durchsetzbar. Der Salzstock wurde aber weiter erkundet, das Endlager dabei
heimlich fast fertig gebaut. Namhafte Geologen bestritten wegen des porösen
Deckgebirges die Eignung. Im Rahmen des Atomabkommens mit der Stromwirtschaft
ließ Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) im Jahr 2000 die Arbeiten
unterbrechen. Während des Moratoriums sollte eine Entscheidung über den
Standort des künftigen Endlagers vorbereitet werden. Nach Alternativen zu
Gorleben wurde aber nicht gesucht. Hier steht die Castorhalle mit stark
strahlenden abgebrannten Brennelementen aus AKW und in Glasblöcken
eingeschmolzenem Müll aus der Wiederaufarbeitung. Jeder weitere Castortransport
ins Wendland zementiert den Endlagerstandort Gorleben.
Lokales aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg

Pestklopfer auf dem Atompfad
Protest auf dem
Lüchower Marktplatz gegen Endlager-Pläne
rg Lüchow. Die Szenerie erinnert an das dunkle Mittelalter:
Gestalten in schwarzen Kutten wandeln in einer langen Reihe über den Lüchower
Marktplatz, schlagen mit langen Holzstangen auf den Boden und rufen mit
monotonen, dunklen Stimmen »Aufpassen». Wie einst die so genannten Pestklopfer
im Mittelalter.
Immer
wieder rufen sie es, bis die unheimliche Prozession schließlich auf der Treppe
des Restaurants »Ratskeller» endet. Es waren rund 20 Atomkraftgegner aus ganz
Deutschland, die gestern Mittag mit dieser Aktion auf die ihrer Ansicht nach
drohenden Gefahren der Endlagerung radioaktiver Stoffe in Salzstöcken
aufmerksam machen wollten. Johannes Philipp, der Sprecher einer Gruppe des
Vereins »Aufpassen», berichtet: »Unsere Aktion in Lüchow ist der Abschluss
des so genannten Atompfades 2005, einer Aktion, bei der wir alle vier geplanten
und schon genutzten Atommüll-Endlager in Deutschland besuchen und auf die
Gefahren aufmerksam machen, die von ihnen ausgehen». Begonnen hatte der
Atompfad 2005 am 20. Juli mit einer Fahrt zum Schacht »Konrad» in Salzgitter
und hatte dann über Wolfenbüttel, Standort des Ver-suchsendlagers »Asse II»,
und Morsleben bis nach Gorleben geführt. Dort hatten sich die Teilnehmer der
Protest- und Informationsveranstaltung am Dienstag das Zwischenlager angesehen.
»Man war dort bemüht, uns die Dinge gewollt positiv zu
schildern», bemerkte Johannes Philipp. »Doch wir gehen davon aus, dass trotz
der anders lautenden offiziellen Messungen dort erhöhte Strahlungswerte
herrschen, die eine Gefahr für die Gesundheit darstellen». Das
Erkundungsbergwerk, also das eigentliche Ziel des Atompfades in Lüchow-Dannenberg,
besichtigten die Teilnehmer nur von Außen. Eine Einfahrt in das Bergwerk sei
nicht möglich gewesen, bedauerte Philipp. »Wir meinen, dass ein mögliches
atomares Endlager im Gorlebener Salzstock genau die selben Probleme bekommen würde
wie das Endlager Asse II in Wolfenbüttel», stellte Philipp heraus. Dort laufe
seit Jahren Lauge in die Stollen und könnte, so befürchten die
Atomkraftgegner, eventuell austretendes radioaktives Material an die Erdoberfläche
spülen. »Das wäre in Gorleben noch viel verheerender als in Wolfenbüttel, da
im Gorlebener Salzstock hochradioaktives Material eingelagert werden soll», befürchtet
Philipp. Die Behälter, in denen der Atommüll eingelagert werden soll, böten
auch keinen Schutz dagegen, stellte er klar: Diese Behälter würden über die
Jahre von den Salzmassen zerquetscht werden und ihren Inhalt so früher oder später
abgeben. »Wenn das mit Lauge an die Oberfläche kommt, wäre das eine
Katastrophe.»
Bild:
Pestklopfer nennen sich die Mitglieder des Vereins "Aufpassen" - in
Anlehnung an mittelalterliche Ausrufer, die die Bürger einst vor dem
"Schwarzen Tod", also der Pest, warnten. "Auch wir wollen warnen:
Vor den Gefahren der Atomenergie", betonte gestern ein Sprecher der Gruppe
bei ihrer Aktion auf dem Lüchower Marktplatz. Aufn.: R. Groß
© EJZ-Online
-aktuell
: Gewerkschaft Presseberichte /Juli 2005
Atompfad 2005:
VORausSICHT statt
ENDLAGER
Wanderung durch die
Atommüll - Mark der Nation -
Arbeitsgemeinschaft:
Bundesweit großes Interesse an Atommüll, besonders den Altlasten
Am kommenden Mittwoch, dem 20. Juli um 12.30
treffen sich am Bahnhof Salzgitter- Lebenstedt die ca. 16 TeilnehmerInnen des
„Atompfad 2005", um sich bis zum 27. Juli zu Fuß, per Rad oder Rollstuhl
auf eine politische Wanderung durch die Atommüll - Mark der Nation zu machen.
Die Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD e.V. wird sie hier, direkt am Bundesamt für
Strahlenschutz, ganz herzlich begrüßen und auf die weitere Reise einstimmen.
Wenn einer eine Reise tut . . . Ziel der Reise
ist, sich selbst und andere an den und über die vier Atommüll-Standorten
KONRAD, ASSE II, Morsleben und Gorleben zu informieren. So wird die Gruppe, an
der sich Aktivisten aus dm ganzen Bundesgebiet beteiligen, in Salzgitter-
Bleckenstedt Gespräche führen, die ASSE II befahren und lädt für Donnerstag,
den 21. Juli, 15.00 - 17.00 Uhr zum Straßentheater in die Innenstadt von
Wolfenbüttel ein.
"Wenn uns Politiker erzählen, außer den Menschen an den Standorten in
Niedersachsen, würde sich niemand für den Atommüll interessieren, dann ist
das nach unserer Erfahrung blanker Unsinn", erklärt Ursula Schönberger,
die den Atompfad 2005 im Namen der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD e.V. begrüßt.
"Es gibt eine große Sensibilität und bundesweites Interesse, das mit den
offensichtlichen und zunehmenden Problemen in der ASSE II wächst".
Oder, wie es im Presseinfo zum Atompfad heißt: "Mit den Endlagern
Morsleben und Asse II sind Tatsachen geschaffen. Und die weiteren Planungen
ignorieren nicht nur die dort gemachten Erfahrungen, sondern gehen davon aus, es
wären Zeiträume von hunderttausend Jahren zu überschauen. Die Halbwertzeit
von Plutonium 239 beträgt 24.000 Jahre. Vor 24.000 Jahren war die letzte
Eiszeit auf ihrem Höhepunkt! Welches Endlager hätte über diesen Zeitraum
hinweg die Strahlung ferngehalten? Welche Schrift, Symbolik oder Sprache aus
jener Zeit wäre heute noch verständlich, um warnen zu können?"
*****
Kontakt und weitere Infos zum Atompfad:
- Andrea Saalbach, Tel. 06421-167056
- aufpASSEn e.V., Tel. 030 401 44 72, Handy 0173 – 613 67 75
- eMail: feuergruppe@snafu.de
- Homepage: http://home.snafu.de/feuergruppe/

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Harry
Fischer - 8. Aug, 10:41
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Friedens-
und Umweltgruppen fordern im Gedenken an den Abwurf der ersten Atombomben auf
Hiroshima und Nagasaki die sofortige Abschaltung der Atomkraftwerke.
In einem bundesweit erscheinenden Informationsblatt fordern Gruppen der
Friedens- und Umweltbewegung gemeinsam ein sofortiges Abschalten aller
Atomkraftwerke. Rechtzeitig vor den Gedenktagen an die Atombombenabwüfe auf
Hiroshima und Nagasaki wollen die über 40 unterstützenden Gruppen
interessierten Menschen auch konkrete Tipps geben, was auch der oder die
Einzelne für ein Ende des Atomzeitalters tun kann.
Die ganze Nachricht im Internet: http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=11516
Harry Fischer - 31. Jul, 10:53
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Zum
zweiten Mal veranstaltet die bundesweite Informations- und Aktionsgruppe
>Feuergruppe< eine Reise zu atomaren Brennpunkten. Zusammen mit dem Verein
AufpASSEn e.V. aus Wolfenbüttel wird die Gruppe vom 20.-27. Juli 2005 zu Fuß,
per Rad und Rollstuhl und mit der Bahn die vier geplanten oder schon genutzten
Atommüll-Endlager in Deutschland aufsuchen. Die Stationen sind: Schacht Konrad
(geplantes Endlager), Asse II ("Versuchs"-Endlager bei Wolfenbüttel),
Morsleben (zentrales Atommüll-Lager der DDR) und zuletzt zum Zwischenlager und
geplanten Endlager Gorleben (für hochradioaktiven Atommüll).
Ziel der Reise ist einmal, auf die bestehenden Gefahren des hochgiftigen
radioaktiven Materials in unsicheren Atommüll-Lagern hinzuweisen, aber auch das
Wissen darum für zukünftigte Generationen zu erhalten. Die örtlichen
Initiativen unterstützen das Vorhaben und die öffentlichen Aktionen.
Es werden zur Zeit Tatsachen geschaffen, als wären Zeiträume von
hunderttausend Jahren zu überschauen. Die Halbwertzeit von Plutonium 239 beträgt
24.000 Jahre. Vor 24.000 Jahren war die letzte Eiszeit auf ihrem Höhepunkt!
Welches Endlager hätte über diesen Zeitraum hinweg die Strahlung ferngehalten?
Welche Schrift, Symbolik oder Sprache aus jener Zeit wäre heute noch verständlich
um warnen zu können?
Kann die Bewachung des Atommülls wirklich Aufgabe der Konzerne und Regierungen
bleiben?
Wo Menschen sich in Bewegung setzen, Fakten in den Blick nehmen und ihr Wissen
zur Sprache bringen, gibt es Entwicklung und Handlungsspielraum. Unter dem Titel
>Wir schreiben Atomgeschichte< lädt die Gruppe dazu ein, eigene
Erfahrungen, Fantasien und Wünsche aufzuschreiben und für eine Anthologie zu
sammeln. "Wenn ich an Atom - müll, - kraft - waffen denke, dann ..."
Weitere Infos:
aufpASSEn e.V., Südwestkorso 71/2, 12161 Berlin
http://home.snafu.de/feuergruppe/ oder Tel. 030 401 44 72
eMail: feuergruppe@snafu.de GKMD
- 17. Jul, 22:17
Braunschweiger Zeitung
20.07.2005
Braunschweiger Zeitung 22.07.2005
Braunschweiger Zeitung 22.07.2005
anti atom aktuell Nr.165 September 2005