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Brief aus der Zukunft

Presseerklärung vom 6. April 2211

Mitglieder des Vereins aufpASSEn, der die Lagerung von atomarem Müll seit über 200 Jahren kritisch begleitet,  haben sich entschlossen, eine Zeit-Rückreise ins Jahr 2010 zu unternehmen und dort am 12.4.2010 um 10:00 Uhr einen Dankesbrief an alle Abgeordneten des deutschen Bundestages zu übergeben. (Treffpunkt 10:00 Uhr vor dem Reichstag) Bei der Suche nach den Ursachen, die zum vorzeitigen Abschalten aller Atomkraftwerke in Deutschland geführt haben, konnte die damit beauftragte Kommission zwar noch keinen Durchbruch erzielen. Aber es gibt zahlreiche Hinweise, dass bereits unter der schwarz-gelben Regierung aus CDU, CSU und FDP im Jahre 2010 die ersten Schritte in diese Richtung getan wurden.

 

Pressemitteilung vom 12. April 2010
Eine Delegation von sieben Menschen aus dem Jahre 2211 hat am Montag, 12. April 2010, in der Postannahmestelle des deutschen Bundestages zwei Kartons abgegeben: 622 Briefe an alle Bundestagsabgeordneten. Es sind Mitglieder des Vereins "aufpASSEn!" e.V., der auch noch in zweihundert Jahren die Lagerung atomaren Mülls kritisch begleitet. Sie haben diese beschwerliche Zeit-Rückreise unternommen, um dem Deutschen Bundestag für den Beschluß der vorzeitigen Abschaltung aller Atomkraftwerke zu danken. Sie waren erfreut zu hören, dass gleichzeitig Bundeskanzlerin Merkel mit Präsident Obama und vielen anderen Staatschefs in den USA Gespräche zum Thema Atomsicherheit führt.
Der ausführliche Brief aus der Zukunft stellt den Ausstieg aus der Atomtechnologie in Zusammenhang mit einem weltweiten sozialen Ausgleich und einer Änderung der Wirtschaftsordnung. Die Weichen für diese Entwicklung werden heute gestellt, und deshalb sind die Menschen aus der Zukunft sehr gespannt auf unsere Antworten. Der Verein "aufpASSEn" wird sie für sie aufbewahren.

 

aufpASSEn e.V. c/o Claudia Friedel u. Johannes Philipp, Südwestkorso 71/2, 12161 Berlin , Telefon 030 401 44 2

info(at)aufpassen.org  oder  info(at)feuergruppe.de

 

 

OFFENER BRIEF AUS DER ZUKUNFT

 

 

 

 

Wolfenbüttel, den 12.4.2211  

 

Sehr geehrter Frau Dr. Angela Merkel,

sehr geehrter Herr Dr. Norbert Röttgen,

sehr geehrte Damen und Herren des deutschen Bundestages,

 

danke, dass Sie dazu beigetragen haben, dass alle Atomkraftwerke vorzeitig abgeschaltet worden sind. Wir Menschen, die zweihundert Jahre nach Ihnen leben, sind heute, im Jahr 2211, froh über jedes Kilo Atommüll, das wir nicht bewachen müssen.

 

Wir haben versucht, Ihre Entscheidung nachzuvollziehen. Aus dem zeitlichen Abstand ist dies schwer, denn erst sahen die Pläne der Regierungskoalition ja ganz anders aus.

 

Vielleicht war es der Konflikt um die Haftung Schwedens für das Energieunternehmen Vattenfall, der Ihnen die Gefahr eines atomaren Unfalls und die daraus entstehenden unübersehbaren Konsequenzen nochmals deutlich vor Augen geführt hat. Vielleicht waren es die im Zeitlupentempo sich entwickelnden Katastrophen in den sogenannten Endlagern für Atommüll in den alten Salzbergwerken Asse II und in Morsleben, die Ihnen deutlich gemacht haben, dass es keine reale Möglichkeit einer sicheren Entsorgung von atomaren Abfällen gibt. Die Last dieses Erbes haben wir, Ihre Nachkommen, zu tragen.

 

Jahrzehntelang haben Fachleute die Meinung vertreten, dass eine sichere, wartungsfreie Endlagerung möglich ist. Vielleicht hat Sie deshalb gerade das Eingeständnis von Herrn Professor Klaus Kühn nachdenklich gemacht. Herr Kühn war lange Jahre als der „Endlagerpapst“ ein gefragter Fachmann für die Lösung der Frage des atomaren Abfalls und hat im Jahr 2009 eingestehen müssen, dass der eingeschlagene Weg der Einlagerung von Atommüll in die Schachtanlage Asse II ein Irrtum war und er nicht noch einmal so handeln würde.

 

Wir sind heute froh über jedes Gramm Atommüll, das damals aus den unsicheren, unzugänglichen Lagerstätten in den Salzstöcken in Morsleben und in der Asse herausgeholt werden konnte und uns nicht durch die Gefahr der Verseuchung des Grundwassers bedroht. Wir haben ein sehr enges Netz von Messstationen eingerichtet, die uns vor der Gefahr warnen, die von den in den Salzstöcken verbliebenen restlichen atomaren Abfällen ausgeht. Aber es ist nicht immer ganz einfach, mit dieser permanenten, unsichtbaren, nicht greifbaren Bedrohung umzugehen.

 

Wachstum, Wachstum über alles – so wirtschaften Sie im Jahre 2010, ohne sich darüber klar zu sein, dass dies auf Dauer nicht gehen kann, weil die natürlichen Ressourcen begrenzt sind. Aus dem zeitlichen Abstand von 200 Jahren ist es mehr als erstaunlich, wie lange wir Menschen dazu gebraucht haben, um das zu erkennen und unser Verhalten zu ändern. Doch gerade nach dem Scheitern des kommunistischen Systems war das „siegreiche“ kapitalistische System offenbar nicht in der Lage, die Gefahr und die Endlichkeit des eigenen Systems zu erkennen. Bescheidenheit hätte Not getan, doch der Machbarkeitswahn hat den Blick dafür verstellt. Der Fall danach war tief und keiner konnte ihn aufhalten.

 

Ausgelöst durch die Bedrohung ihrer Lebensgrundlagen hat damals ein großer Teil der Bevölkerung angefangen, anders zu leben. Kräfte, die bis dahin schon halb bewusst die nötige Umkehr geahnt hatten, erwachten und erstarkten. Die Erfahrung, dass wir Menschen ein untrennbarer Bestandteil dieses blauen Planeten sind, eingebunden in das Netzwerk des Lebens, hat tiefgreifende Veränderungen in unserem Zusammenleben und Wirtschaften bewirkt. Ein schwieriger, schmerzhafter Prozess kam in Bewegung, der noch nicht abgeschlossen ist. Wir werden wohl weiterhin lernen und uns verändern müssen.

 

Geholfen hat uns in dieser schwierigen Zeit aber gerade die Herausforderung, im Umgang mit dem uns anvertrauten atomaren Erbe langfristig denken zu müssen. Ohne diese ständige Herausforderung hätten wir vielleicht nie ein nachhaltiges, langfristig orientiertes Wirtschaftssystem entwickelt. Sicher gab es noch viele andere Faktoren, die dazu beigetragen haben, aber kein Thema hat uns so deutlich vor Augen geführt, dass wir uns auf einen Abgrund zu bewegten. Der Konflikt mit dem Iran um seine atomaren Pläne war nur ein leichter Vorgeschmack auf das, was dann noch zu kommen drohte. Millionen Menschen ohne ausreichende Nahrung und ohne einen Platz auf dieser Welt, den sie ihr eigen nennen konnten, waren nicht mehr bereit, geduldig auf Besserung zu hoffen. Die soziale Frage, das unerträgliche Wohlstandsgefälle bekamen in Verbindung mit dem um die Welt vagabundierenden atomaren Müll und der atomaren Technik eine die gesamte Menschheit und den Planeten bedrohende Dimension.

 

Nur der Ausstieg aus der Atomtechnologie, ein weltweiter sozialer Ausgleich und eine Änderung der Wirtschaftsordnung haben einen vollständigen Absturz verhindert.

 

Sie haben im Jahr 2010 die ersten Schritte dafür getan und dafür möchten wir Ihnen danken. Sie haben sie entgegen allen Erwartungen getan, was wir heute besonders zu schätzen wissen.

 

Wir, das sind die Mitglieder des Vereins aufpASSEn, der seit über 200 Jahren die Lagerung atomaren Mülls kritisch begleitet. Ihre Antwort bitte an aufpASSEn e.V., der Ihr Schreiben für uns Zukünftige aufbewahren wird.

 

Mit freundlichen, dankbaren Grüßen

aus Wolfenbüttel im Jahre 2211

 

Claudia Friedel  und Johannes Philipp


 

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Claudia Friedel und Johannes Philipp                                                Haftungsausschluss

Südwestkorso 71/2, 12161 Berlin

Telefon 030 – 401 44 72

info@feuergruppe.de

 

Konto:

Johannes Philipp "feuereintopf"  , Kto. 6000563900

GLS Gemeinschaftsbank, BLZ 430 609 67

 

22.06.2010