Wir schreiben Atomgeschichte
Selbstgeschriebenes
& Gefundenes...
Schreiben
Sie Ihre Erfahrungen, Fantasien, Wünsche, ...
auf und schicken Sie diese zur Veröffentlichung bis zum 03.10.05 an:
aufpASSEn e.V., Südwestkorso 71/2, 12161 Berlin
"Wenn
ich an Atom - müll, - kraft - waffen denke, dann .... „
Was
wir am dringlichsten
tun
müssen, ist, in uns hineinhorchen, wie die Erde weint.
Thich
Nhat Hanh
Wo
kämen wir hin
Wo kämen wir hin,
wenn jeder sagte:
„wo kämen wir hin",
und niemand ginge,
um mal zu sehen –
wohin man käme,
wenn man ginge.
Kurt Marti (übertragene Version,
das Original ist auf Schweizerdeutsch verfasst)
Was tust du da?
Ein Spaziergänger kommt an einem Mann vorbei,
der einen Stein behaut und fragt ihn, was er da tue. Dieser antwortet: „Ich
behaue einen Stein". Da geht er weiter und sieht einen anderen, ebenfalls
einen Stein behauen und fragt diesen, was er tue. „Ich verdiene damit mein
Geld". Und noch ein Dritter sitzt ebenso da, und behaut einen Stein, er
antwortet auf die Frage: „Ich arbeite mit an einer großen Kathedrale".
Wunsch an die Forschung
Einigen Menschen auf der Erde kam in ihrem Forscherdrang die
Idee, statt Atomspaltung könnte man doch auch die Atome fusionieren und damit
Energie gewinnen! Sie wollen damit die Sonne kopieren, denn dort läuft dieser
Prozess zu unserem Segen in riesiger Entfernung und seit Jahrmilliarden und wird
auch noch eine Weile weitergehen. Jetzt bauen sie sogar einen Versuchsreaktor für
10 Milliarden € in Frankreich.
Es sind für diese Fusionsreaktoren unvorstellbare Energien
und Drucke notwendig: Mehrere Millionen Grad Celsius und viele Tausend bar
Druck, eben wie in der Sonne. Doch auf der Erde fiel den Forschern kein
geeignetes Material in die Hände, das diesen extremen Eigenschaften standhalten
kann. So beantragen sie Milliarden an Forschungsmitteln in mehreren Ländern,
und sie sagten, es würde noch etwa 50 Jahre dauern, bis ein Ergebnis erzielt
wird. Bis dahin sind aber Öl und Gas auf der Erde längst versiegt, und woher
nehmen wir dann die Energie, denn auch das Uran geht dann aus. Die schlaueren
Menschen auf der Erde sagten sich, dass die Sonne doch eigentlich ihre Energie
laufend auf die Erde schickt, und zudem noch kostenlos! Wieso sollten wir
deshalb versuchen, mit viel Geld und unabsehbaren Risiken die Sonne auf der Erde
nachzumachen?
Lieber sofort alle Hebel in Bewegung setzen, um die
Sonnenenergie hier auf der Erde in allen Formen einzufangen, denn sie schickt
15000 mal mehr Energie hierher, als wir alle miteinander brauchen! Es ist eine
Hybris und Dummheit des Menschen, die Atomfusion weiter zu erforschen, wenn die
Sonne doch schon hier ist. Ganz abgesehen davon, dass das Verfahren mit
Sicherheit so teuer wird, dass sich niemand diesen Strom wird leisten können.
Auf alle Fälle wird es unter den zahlreichen erneuerbaren Energien sicher eine
ganze Reihe geben, die viel billiger zu erzeugen sind.
FAZIT: Die Wissenschaft sollte sich mehr mit Bescheidenheit
schmücken und mit Realismus ans Werk gehen. Eine schönere Aufgabe für
Ingenieure als die Erforschung der erneuerbaren Energien von der Sonne kann ich
mir nicht vorstellen. Diese ist dringend voranzubringen; wir haben keine andere
Wahl! Gerhart Scheerer
Ich möchte erzählen, in welchen Momenten ich die Gefahr
der „friedlichen“ und militärischen Nutzung der Atomenergie mit Herz und
Seele erahnt habe:
- In der Zeit des Widerstandes gegen die Stationierung der
Pershing-Raketen Anfang der 80er Jahre hatte ich folgenden Traum: Eine
bedrohliche Strahlung aus meinem Backofen, aber überall gegenwärtig, ließ
mich am Sinn des Weiterlebens zweifeln. Mir war klar, dass es kein Entrinnen
gab, und der Satz „Die Lebenden werden die Toten beneiden“ ließ mich nicht
los.
- Bei der Lektüre von Augenzeugenberichten aus dem Inferno
von Hiroshima und Nagasaki erfasst mich ein ähnliches Grauen wie bei Berichten
über den Holocaust.
- Die amerikanische Nonne Rosalie Bertell (1986 mit dem
alternativen Nobelpreis ausgezeichnet), die mit ihren Recherchen zu Leukämieerkrankungen
im Umfeld von Atomkraftwerken das Dogma der Harmlosigkeit von Niedrigstrahlung
ins Wanken brachte, beeindruckt mich mit ihrem Mut, den kriminellen
Machenschaften der Atomlobby die Stirn zu bieten.
- Ich selbst habe gewaltfreien Widerstand „rauschhaft“
erlebt bei den Gleisblockaden in Wendisch-Evern 2002 anlässlich der
Wiederaufnahme der Castortransporte. Von diesem Erlebnis zehre ich noch – sehe
mich aber immer wieder konfrontiert mit meiner Ängstlichkeit und Konfliktscheu.
Ich fühle mich solchen spannungsgeladenen Aktionen nicht kontinuierlich
gewachsen. Aber ich versuche im Bekannten- und Kollegenkreis für einen
verantwortlichen Umgang mit Energie und Ressourcen zu werben. Und natürlich
selbst immer freier von überflüssigem Konsum zu werden und mich des Lebens zu
freuen.
Margrit Schmidt
Die Geburt meiner ersten Enkelin (1981) hat in mir Sorge geweckt, dass die
atomare Gefahr eine
Bedrohung für ihr Leben bedeutet. Seitdem arbeite ich in der Anti-Atom-Bewegung. Lore
Banis
Tschernobyl hat mich aufgeschreckt, bei der Gefahr der Ausbreitung der
radioaktiven Wolke habe
ich habe ich begonnen, Lebensmittel zu kaufen und mich zu informieren. Die Sorge um meine Kinder und
Enkel hat mich bewegt. Zunächst habe ich das Gefühl nicht zugelassen, dann später war es maßloses Entsetzen.
Irmgard
Rumpel
Alte
Erde
Geerbtes Gut
Tun wir alles
Mit
ganzem Mut
Ordnen wir in uns
Damit
das Außen stimmt
Morgen unsere Kinder
Noch
Gutsherren sind
Pfad 2005
Ihr
seid wieder auf Tour
Fürs aufpASSEn
Auf
eine gesunde Natur
Alles Gute, seid behütet
Kommt
nicht ins wanken
Damit viele teilen
Eure
Gedanken
In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute und
erfolgreiche Reise auf der Ihr viele Menschen berühren und bewegen könnt.
Mit vielen guten Gedanken
Conny
Bis die Katastrophe von Tschernobyl geschah, fühlte ich mich sicher. Dann
überwog Ohnmacht und
Wut, dieser Technologie ausgeliefert zu sein. In dem Bedürfnis, die Erde zu schützen – und somit mein
Leben – habe ich meine Liebe zu allem Lebendigen sehr tief gespürt. Sie macht mich handlungsfähig und
kreativ.
Andrea
Saalbach
...bin ich der Meinung, da die Atomkraft menschliches Leben
gefährdet und die Entsorgung nicht gelöst ist, dass die jetzt technisch
ausgereiften Verfahren zur Energiegewinnung Windkraft, Voltaik, Solarthermik,
Biogas stärker gefördert werden müssen. Das sollte auch für CDU/CSU und FDP
gelten!
...denke ich an Widerstand, an viele Menschen in
Menschenketten, Sitzblockaden, Lebenslauten, Gemeinschaft, Wut und Mut und Liebe
zum Leben.
Ich war einmal in Brooklyn
zu einer orthodoxen jüdischen Hochzeit eingeladen. Nach der Eheschließungszeremonie
setzten wir Gäste uns an die Hochzeitstafel, die Männer auf der einen Seite
des Raumes und die Frauen auf der anderen Seite. Als alle Gäste saßen, trat
eine ganze Schar orthodoxer Juden ein, darunter auch viele Rabbis. Sie baten die
Gäste um Spenden für Schulen, Synagogen, die Mitgift einer Braut und viele
andere Dinge. Die Bitsteller gingen nacheinander zu alten Gästen, und jeder gab
ihnen Geld. In der Welt der orthodoxen Juden stehen bei jedem glücklichen
Ereignis, Simcha genannt, die Türen für Menschen offen, die für sich selbst
oder andere Geld benötigen. Irgendwann hatte einer meiner Tischnachbarn genug.
Ungehalten sagte er zu einem Rabbi, der ihn um eine Spende bat: „Jetzt gebe
ich schon den ganzen Abend einem Schnorrer nach dem anderen Geld. Mir reicht's!"
Empört erwiderte der Rabbi: „Was soll das heißen: >Mir reicht’s <?
Sie sollen mir dankbar sein, weil ich Ihnen die Möglichkeit gebe, etwas zu
spenden. Sie können dadurch eine Mizwa vollbringen!“
Mizwa ist eine gute Tat. Im Zen-Peacemeaker-Orden
bezeichnen wir etwas als eine gute Tat, wenn es im Geist eines Menschen Zweifel
sät. Plötzlich ist eine Frage da. Und wenn das passiert, befinden wir uns im
Reich des Nichtwissens.
Die Essenz daraus: Eine gute Tat ist, wenn man im
Geist eines Menschen Zweifel sät. Plötzlich ist eine Frage da." Bernhard
Glassman
Atomenergie
und Atomwaffen sind menschenverachtend, unverantwortlich, machen uns Menschen
krank und es gibt kein Endlager auf dieser Welt. Fast wöchentlich gibt es einen
Störfall: Sellafield 30.05.2005. Atomenergie ist teuer! – Tut mir leid, wenig
Gutes zu berichten – Ich habe keine Hoffnung, weil die Menschen so wenig
bereit sind uns zu helfen! Gruß Margret.
Atomkraft steht für Größenwahn. So
schafft EU sich freie Bahn.
Atomwaffen sind todsicher. Sie stellen die wirtschaftlichste
Art des Tötens dar. Wirtschaftliche Effizienz und Atomwaffen sollen durch die
Europäische Union Verfassungsrang erhalten.
Atomtechnik tötet und schädigt das Erbgut künftiger
Generationen
-beim
Uranabbau,
-beim
Betrieb atomarer Anlagen,
-bei
der Vorhaltung und dem Gebrauch von Atomwaffen
-und bei
der „Entsorgung" atomaren Mülls.
Sie ist Ausdruck brutalster Profit- und Machtansprüche.
Atome
nicht kritisch werden lassen
Durch
lautstarken Protest kritischer Massen
Atomkraft Kernkraft Lebenskraft
Leben
vor dem Atomkrieg. Kein Danach.
Gesang der Sirenen: Sei
ohne Sorge.
Atommüll zerfällt.
Sei ohne Sorge.
Die
Würde des Menschen ist unantastbar und das Atom ist unteilbar.
Die goldene Regel: Alles, was ihr wollt, das euch die
Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun.
Und
alles was ihr nicht wollt, das euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen
nicht tun.
Brigitte
und Dietrich
Staatsanwalt Schmengler klagt an:
Dr. Wolfgang Sternstein, Hanna
Jaskolski, Dr. Erika Drees
Sehr geehrter Herr Richter Johann und Herr Staatsanwalt
Schmengler,
Sie haben die Sache, um die es geht, korrekt dargestellt. Ich
habe bei der Festnahme die folgende Erklärung abgegeben:
"Hiermit bekenne ich, dass ich mich am 7.April an einer
gewaltfreien Inspektion des Fliegerhorstes in Büchel beteiligt habe. Begründung:
Auch an diesem Ort halten die Amerikaner Atomwaffen einsatzbereit. Der bereits
angekündigte Ersteinsatz von Atomwaffen im Rahmen der neuen amerikanischen
Nuklearstrategie gefährdet alles Lebendige auf unserer Erde. Wir haben heute
den Zaun, der dieses mörderische Geheimnis vor der Öffentlichkeit verbirgt,
durchtrennt, damit alle vom Atomkrieg bedrohten Menschen es wissen und dagegen
protestieren können. Ich fühle mich verpflichtet, vor dem völkerrechtswidrigen
Verbrechen eines atomaren Erstschlages mit allen gewaltfreien Mitteln zu warnen
und nehme die Konsequenz meines Tuns auf mich."
Zum zweitenmal muss ich mich wegen meines Protestes gegen die
verfassungswidrige atomare Teilhabe hier im Amtsgericht Cochem vor Ihnen
verantworten. Die am 21.August ausgesprochene Gefängnisstrafe auf Bewährung
hat unseren Tatentschluß nicht verhindert. Die Beurteilung des Landgerichtes
Koblenz, dass wir keine günstige Sozialprognose haben und nicht zur Besinnung
zu bringen seien, hat sich also vordergründig bestätigt, lch hoffe jedoch,
dass am Ende der heutigen Verhandlung deutlich wird, wer hier zur Besinnung
gebracht werden muss.
Damit verständlich wird, warum wir i m m e r w i e d e r
solche Sachen machen, möchte ich mich heute Ihnen etwas näher vorstellen.
Meine Familie stammt aus Schlesien. Mein Vater, Landwirt, kam aus dem 2.
Weltkrieg nicht zurück. Meine Jugend mit 4 Geschwistern ist geprägt von Flucht
und Nachkriegszeit als Flüchtlings-Habenichts-Familie in
Schleswig-Holstein. Mein
Medizinstudium habe ich mir bis zum 7. Semester selbst verdient - danach gab es
ein Stipendium nach dem Honnefer Modell.
1958/9, während des Studiums an der Freien Universität Berlin geriet ich 9
Monate lang in Staatssicherheits-Untersuchungshaft der DDR wegen eines
Spionageverdachtes, der durch Ost-West-Studentengemeinde Kontakte entstanden
war. Die evangelische Studentengemeinde, zu der ich in
West-Berlin gehörte,
versuchte damals noch zu bezeugen, dass Christen sich durch unterschiedliche
politische Systeme und Ideologien nicht auseinanderdividieren lassen und
pflegten deshalb intensive West-Ost-Kontakte. Das Verfahren gegen mich wurde
mangels Beweisen eingestellt, und 37 Jahre später, 1996, erhielt ich vom
Bezirksgericht Halle die Rehabilitation.
Bald nach dem medizinischen Staatsexamen ging ich trotzdem -
zunächst als Besucherin - in die DDR, weil von dort viele Ärzte nach
Westdeutschland abgewandert waren und ein akuter Ärztemangel herrschte. Nach
dem Mauerbau im August 1961 heiratete ich und ließ mich in der DDR einbürgern.
Meine Hoffnung, in der DDR an einer gerechteren Gesellschaftsordnung mitbauen zu
können, verging aber endgültig 1968 mit der Niederschlagung des Prager Frühlings.
Seitdem war ich mit meinem Mann und den 3 heranwachsenden Kindern immer
intensiver im politischen Widerstand gegen den zunehmend entmündigenden
Staatssozialismus. Als Folge davon wurde keins unserer Kinder zum Besuch der
Oberschule zugelassen; und seit 1978 hat die Stasi viel Papier verbraucht, um
unsere Familie zu observieren. Telefon und 2 Räume unserer Wohnung waren
jahrelang überwacht, wie ich heute nach Einsicht in die Stasi-Protokolle weiß.
Ordnungsstrafen, öffentliche Rügen und Polizeiarreste haben uns jedoch nicht
von der Einsicht abgehalten, dass die Menschenrechtsverletzungen und
ideologischen Einengungen immer wieder öffentlich kritisiert werden müssen,
damit die eisige Apathie sich lösen kann.
In unserem kleinen Stendaler Freundeskreis war eins unserer
Hauptthemen das in unmittelbarer Nähe heranwachsende Atomkraftwerk, das
teuerste Bauwerk der DDR.
Bei der Formulierung der geistigen Notstände in der DDR im
Rahmen der ökumenischen Versammlungen der Kirchen (konziliarer Prozeß) 1987-89
war ich als evangelische Christin, die den Widerstand lange eingeübt hatte,
beteiligt in der Arbeitsgruppe "Energie für die Zukunft". Hier wurde
die menschenverachtende Atomtechnik kritisiert und die Zusammenhänge zwischen
Terrorismus und Krieg mit Massenvernichtungswaffen öffentlich gemacht. Nämlich
vor 65 Jahren fand man als Nebenprodukt der Atomwaffenentwicklung die Atomkraft
als schier unerschöpfliche Energiequelle. Heute geschieht die verbrecherische
Entsorgung von Atommüll, dem Depleted Uranium (abgereichertem Uran 238), indem
es als Bestandteil von Geschossen, die Panzer und Bunker durchdringen können,
verwendet wird. Kriegsregionen und ihre Bewohner werden so flächendeckend
radioaktiv verseucht. Polizisten und Soldaten ebenso.
Vielleicht erinnern Sie sich, Herr Richter Johann, das Thema
abgereichertes Uran und die Folgen radioaktiver Niedrigdosisbelastung hatte ich
im August 2ooo zum Schwerpunkt meiner Verteidigung gemacht.
Einen positiven Höhepunkt erreichte mein politisches Leben
am 9. September 1989, dem Gründungstag des NEUEN FORUM im Hause von Robert
Havemann in Berlin Grünheide. Den darauf folgenden Aufbruch der Mehrzahl
unzufriedener DDR-Bürgerinnen habe ich mit organisiert und befördert. Die
angebotene Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im September 1991 für meinen
Beitrag zur Wiedervereinigung Deutschlands habe ich allerdings zurückgewiesen,
denn die überstürzte Vereinnahmung der DDR durch die westdeutsche
Bundesrepublik mit dem verhängnisvollen 2 + 4 Vertrag und der schnellen D-Mark
war nicht im Sinne der meisten BürgerrechtlerInnen. Nur wenige Wochen lang
genossen wir die ersehnte Freiheit im Herbst 1989. Danach hat die Macht des
Geldes, die wir bis dahin so nicht kannten, die Aufbrüche aus dem totalitären
geistigen Zwang innerhalb weniger Wochen zunichte gemacht.
So konnte ich auch den Nationalpreis, den die 3o GründerInnen
des NEUEN FORUM vor drei Jahren erhielten, nicht annehmen, denn nach meiner
Einsicht haben wir Ostdeutschen nur den Beton-Käfig gegen einen vergoldeten
eingetauscht.
In der DDR war ziviler Ungehorsam eigentlich kaum nötig
(abgesehen allerdings von der Wehrdiensttotalverweigerung mutiger junger Männer).
Unsere widerständigen Taten (Eingaben schreiben, selbstgemachte Transparente
tragen, Nichtbeteiligung an Wahlen, bei denen es nichts zu wählen gab) bewegten
sich meist im Rahmen der bestehenden Gesetze und erregten trotzdem extremes
Aufsehen. Aufsehen im wahrsten Sinne des Wortes: die Menschen hoben ihren Blick
und guckten über den eigenen Tellerand, wodurch dann die Befreiung vom
SED-Regime ohne Gewalt möglich wurde.
Erst in der vereinigten Bundesrepublik Deutschland verstand
ich die Weisheit
von Henry David Thoreau (1849), dem amerikanischen Sozialkritiker (1817-62), der
Widerstand und zivilen Ungehorsam gegen Sklaverei und materialistisches Kapital
leistete:
"Wenn das Gesetz so beschaffen ist, dass es
notwendigerweise aus dir den Arm des Unrechts an einem Anderen macht, dann -
sage ich - brich das Gesetz. Mach dein Leben zu einem Gegengewicht, um die
Maschine aufzuhalten."
Mit der fortschreitenden Trennung der ErdenbewohnerInnen in
Hungernde und Übersättigte im Zuge der globalen Diktatur des Eigentums sind
wir in den reichen Ländern alle zum Arm des Unrechts geworden.
Auf diesem Hintergrund mögen Sie, Herr Richter Johann, meine
mehr als 1o Gesetzesübertretungen, die in vielen Strafprozessen seit 199o
verhandelt worden sind, verstehen. Es waren meistens Hausfriedensbrüche und
Sachbeschädigungen, um Orte des Verbrechens öffentlich bekannt zu machen
(Atomstandorte, Abschiebegefängnisse, Truppenübungsplätze). Zeichenhandlungen
im Interesse höheren Rechtes, im Interesse der Spaltung von Menschenrechten,
also des Grundbestandes unserer Verfassung.
Mit der Ermächtigung George W. Bushs am 1. Oktober 2oo2 ist
Wirklichkeit geworden, was sich seit der Proklamierung der neuen NATO-Doktrin
1999 angekündigt hat und was seit dem 11. September 2oo1 mit dem Suggestivwort
"Terrorismusbekämpfung" von der Mehrheit der Bevölkerung ahnungslos
akzeptiert wird: Die ganze Erde ist nun offiziell in 5 USAmerikanische
Kommandozentralen eingeteilt. Die EUC0M in Stuttgart hat das militärische
Kommando über Europa, große Teile Afrikas und Rußland. Die CENTCOM, eine
zweite Zentrale in Katar im Bahrein, einem seit 1971 unabhängigen Emirat am
persischen Golf, ist zuständig für Nord-Ost-Afrika, die Golfregion,
Zentralasien und Pakistan, wo die größten Ressoursen von fossilen Energieträgern
lagern. Das Oberkommando für den pazifischen Raum und die Antarktis hat die
PACOM; für Nordamerika gibt es schon lange die NORTHCOM und für Mittel- und Südamerika
die SOUTHCOM.
Ermächtigungsgesetze sind Verlauf der Geschichte (Alexander,
Caesar, Hitler) immer in zu groß gewordenen Machtbereichen in Kraft getreten
und haben über schreckliche Tyrannei jeweils zum Zerfall geführt. Heute könnte
die Ermächtigung ergänzt durch Massenvernichtungswaffen zum Untergang der
Menschheit führen.
Die ehemalige US-Außenministerin Albright erklärte schon
1999: Ob Krieg geführt wird oder nicht, hängt davon ab, wie strategisch
wichtig die entsprechende Region für die USA ist; und ihr Berater Thomas
Friedman ergänzte: "Die unsichtbare Hand des Marktes kann nicht ohne die
unsichtbare Faust funktionieren". Und schließlich George W. Bush nach dem
11, September 2oo1: "Jede Nation und jede Region muss eine Entscheidung fällen:
entweder sie sind auf unserer Seite oder auf Seiten der Terroristen", und:
"Der Krieg gegen den Terror wird nicht in der Defensive gewonnen, wir müssen
die Schlacht auf dem Boden der Feinde führen, ihre Pläne vereiteln und den
schlimmsten Bedrohungen begegnen, bevor sie auftauchen." Das ist die Bereitschaft zu Präventivschlägen auch mit Atomwaffen, wie es in dem
Bericht zur Überprüfung der USAmerikanischen Atomwaffendoktrin, dem NUCLEAR
POSTURE REVIEW festgelegt und veröffentlicht wurde. Seit dem 11. Oktober o2 hat
nun Bush freie Hand zum Kriegführen im Irak und möglicherweise auch gegen den
Iran, die Länder, die in der Reihe der "Schurkenstaaten" an oberster
Stelle stehen; es folgen Lybien, Syrien, Nordkorea, China und Russland. Wo immer
die USA künftig strategische oder wirtschaftliche Interessen entdecken, werden
sie unter dem Vorwand, Terroristen zu suchen, militärisch vorbeugend
eingreifen.
Diese Heils- und Weltmachtansprüche sind gedeckt durch die
Bereitschaft zur Massenvernichtung alles Lebendigen der jeweils zur "Achse
des Bösen" gerechneten Region. 1941 war der deutsche Überfall auf die
Sowjetunion auch als Präventivschlag von Hitler deklariert worden und der
Einmarsch in Polen am 31.8.1939 als Rache für die Zerstörung des Senders
Gleiwitz. Kriegslügen, wie wir heute wissen. Ich sehe aber zwei Unterschiede zu
den deutschen Weltmachtansprüchen vor über 60 Jahren:
1. Die Wirkung der heutigen Massenvernichtungswaffen lässt
sich weder räumlich noch zeitlich begrenzen.
2. Es gibt keine Alliierten, die mit Waffengewalt den
Angreifer stoppen könnten, wenn der Krieg begonnen hat. Wer soll heute einen
Aggressionskrieg noch ächten und mit Sanktionen belegen? Die Vereinigten
Staaten, denen wir die Existenz der Vereinten Nationen wesentlich verdanken,
gehen bei der Verletzung des Völkerrechtes ja voran!
Es gibt nur noch eine Allianz - und die ist schon mindestens
2ooo Jahre alt. Es ist die Allianz der gewaltfreien Bewegung, die in allen
Weltreligionen vorkommt. Jesus hat in der Bergpredigt den von der römischen
Besatzungsmacht Bedrückten folgenden Rat gegeben: Kommt heraus aus eurer
Demutshaltung und Resignation! Liebt eure Feinde aktiv! Bleibt nicht unter ihnen
mit gebeugtem Rücken, sondern stellt euch neben sie - wie Freunde es tun. Wenn
ihr geschlagen worden seid, so haltet dem Gewalttätigen auch eure andere Backe
hin; traut ihm zu, dass er nicht noch mal zuschlägt, aber seid auch bereit,
einen zweiten Schlag hinzunehmen. Und wenn ihr durch das römische Gesetz
gezwungen seid, dem Landser sein schweres Gepäck eine Meile weit zu tragen, so
geht - freiwillig als Freund - noch eine zweite Meile mit. Vielleicht ergibt
sich unterwegs ein Gespräch, das die Welt verändert! (Matth. 5,39-41)
Mit dieser Grundhaltung und mit langem Atem sind in den
vergangenen Jahrhunderten und Jahrzehnten wichtige Menschenrechte gewaltfrei erkämpft
worden. Die Kaufsklaverei, die im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung schon
geübt wurde, endete 1865, als die bis dahin noch legale Negersklaverei in den
USA verboten wurde. Auch von den Hexenverbrennungen des Mittelalters bis zum
Frauenwahlrecht in Deutschland 1918 war es ein weiter, leidvoller Weg. Der Kampf
gegen die Apartheid in Südafrika hat 42 Jahre lang von 1949 bis 1990 gedauert;
und auch das Recht auf Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen
musste langwierig erkämpft
werden.
Wir drei WiederholungstäterInnen, die heute verurteilt
werden sollen, haben viele Vorbilder.
"Es gibt Dinge, die musst du tun, um deiner eigenen Würde
willen; deshalb musst du dich frei machen von dem Zwang, in schnellen Erfolgen
zu denken" - das lehrte uns die Theologin Dorothee Sölle, als sie Anfang
der achtziger Jahre unter dem Eindruck der Atomwaffen in Deutschland zu einem
Militärsteuerboykott aufrief. Mahatma Gandhi konnte das indische Volk zum
gewaltfreien Widerstand gegen die englische Besatzungsmacht - z.B. zu dem berühmten
Salzmarsch - bewegen. Zuvor hatte er persönlich nach langem Fasten erkannt,
dass die Zusammengehörigkeit mit allem Lebendigen, das Verbundensein mit allen
Menschen, ihn zur aktiven Gewaltfreiheit und Wahrhaftigkeit befähigt. Er sagte:
"Ich konnte erst von da an ein geistliches Leben führen, wo ich mich mit
der ganzen Menschheit identifizierte."
Von Martin Luther King stammt der Satz: "Die beste Waffe
ist, keine zu haben." und " Ich behaupte, dass der die größte
Hochachtung von dem Gesetz zeigt, der ein Gesetz bricht, das ihm vor seinem
Gewissen ungerecht erscheint - und bereitwillig die Strafe dafür auf sich nimmt
und ins Gefängnis geht, um damit das Gewissen seiner Mitbürger wachzurütteln
und ihnen die Augen für die Ungerechtigkeit dieses Gesetzes zu öffnen."
(1958)
Ein Vorbild im Widerstand gegen den real existierenden
Sozialismus in den Ostblockländern war Vaclav Havel mit seinem Essay
"Versuch, in der Wahrheit zu leben" . Er war der Mitbegründer der
Charta 77 in der CSSR vor 25 Jahren. Für seine politisch konsequente Haltung
beim Einsatz für Menschenrechte und bürgerliche Freiheit hat er viele Jahre
seines Lebens als Hilfsarbeiter und drei Jahre als Häftling verbracht. In äußerlich
hoffnungsloser Lage hatte er die folgende Einsicht: "Hoffnung ist nicht die
Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn
hat, egal, wie es ausgeht."
Wir wissen auch nicht, ob unser öffentlicher Protest gegen
Krieg und Massenvernichtung erfolgreich sein wird, aber wir müssen es um
unseres eigenen Gewissens willen tun.
In Zeiten der militärischen Hochrüstung, die wir seit 2o
Jahren verstärkt beobachten mit der daraus folgenden Verelendung von 4/5 der
Menschheit, kann das Gefängnis der einzige Ort der Freiheit sein; das lehren
uns die PflugscharaktivistInnen aus den USA, die schon Anfang der achtziger
Jahre versucht haben, mit einfachen Hämmern Atomwaffen in ihren Silos unbrauchbar zu
machen und sie mit ihrem eigenen Blut als Massenmordwaffen zu zeichnen
In diesen Tagen stehen drei Ordensfrauen für den Frieden,
Dominikanerinnen in Colorado/USA vor Gericht, weil sie einen Atomwaffenbunker
und eine Abschussrampe beschädigt und mit ihrem Blut gezeichnet haben.
Behinderung der nationalen Verteidigung lautet die Anklage, und sie
sind von einer langen, möglicherweise
lebenslänglichen Gefängnisstrafe bedroht.
Die Brüder Philip und Daniel Berrigan, Carl Kabat, Helen
Woodson und viele andere aus der Friedensbewegung haben jahrzehntelange Gefängnisstrafen
in den USA auf sich genommen; aber ihre scheinbare Ohnmacht als Häftlinge,
deren Korrespondenz kontrolliert wird, hat eine große Anzahl von
Friedensaktivistinnen wach gemacht und zum gewaltfreien Widerstand inspiriert,
auch in Deutschland.
Die Erfahrung, dass Gewaltanwendung immer mehr und härtere
Gewalt provoziert, dass die Kriege der Vergangenheit immer ganz andere Gründe
hatten als die vorgegebenen "humanitären" und dass nie alle
Alternativen zur kriegerischen Gewalt ausgeschöpft wurden, diese Erfahrungen
haben bewirkt, dass wir drei heute Angeklagten uns schon oft strafbar gemacht
haben. Wir selbst verstehen uns bei solchen Aktionen nicht als StraftäterInnen,
sondern als öffentliche VerfassungsschützerInnen.
Beim letzten Prozess vor 6 Wochen in Stuttgart fragte mich
der Richter, der aufmerksam zugehört hatte, warum wir eigentlich nicht
effektivere Mittel wählen, um das drohende Unheil aufzuhalten: Wenn z.B. ein Mörder
durchs Haus laufe, müsse man ihm doch wenigsten die Hände fesseln. Dazu fiel
mir lange nach der Verhandlung ein Ereignis ein, das viele Menschen sehr
beunruhigt hat: Am 26. April 2oo2 (vielleicht nicht zufällig am 17.
Tschernobyl-Tag?) rannte der 19 jährige Schüler Roland Steinhäuser durch das
Gutenberg-Gymnasium in Erfurt und erschoss 17 Menschen, meist Lehrer und
Lehrerinnen. EIN Lehrer rannte nicht weg, sondern ging ihm, dem maskierten Schüler
entgegen und sprach ihn an: "Roland, sieh mir in die Augen, bevor du mich
auch erschießt", damit hat der Geschichtslehrer Rainer Heise etwas völlig
Unerwartetes und sehr Menschliches getan - und war erfolgreich. Roland nahm die
Maske vom Gesicht, mordete nicht weiter, erschoss aber wenig später sich
selbst. EINE gewaltfreie Anrede hatte genügt, um ihn zu stoppen. Diese Episode
ist nach meinem Gefühl ein anschauliches Beispiel für das, was aktiver
gewaltfreier Widerstand vermag. Diese "feindliebende"
menschenfreundliche Haltung lässt sich bis zu einem gewissen Grade einüben,
erlernen. Wäre der Erfolg nicht eingetreten, so hätte man diesen Lehrer leicht
für einen blauäugigen Spinner gehalten. So bekam er das Bundesverdienstkreuz.
Vielleicht kann dieses tragische Erfurter Ereignis zu einem
Umdenken der Justiz hinsichtlich des "rechtfertigenden Notstandes §34
StGB" beitragen. Wenn Sie, Herr Richter, jedoch weiterhin der Meinung sind,
- dass die Gefahr nicht gegenwärtig ist
- dass Leib und Leben von uns und anderen nicht bedroht sind
- dass es noch legale Mittel gibt, um die Gefahr abzuwenden
- dass das Öffentlichmachen der Orte des Verbrechens kein
angemessenes Mittel in der Demokratie ist, um die Gefahr abzuwenden
- dass die Beschädigung des Zaunes und das Betreten des
verbotenen Ortes
- dass Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch
ein höheres Rechtsgut ist als das zu schützende
Menschenrecht auf Leben und Gesundheit -
dann müssen Sie uns auch heute wieder verurteilen; und wir
werden die Strafe als die zweite Ohrfeige, von der Jesus in der Bergpredigt
spricht, annehmen in der Überzeugung, dass auch unser Gefängnisaufenthalt
wirksam sein kann.
Ich nehme also weiterhin zu meiner Rechtfertigung den §34
StGB sowie Artikel 2o,4 und Artikel 25 der Verfassung in Anspruch und beantrage
Ihren Freispruch oder wenigstens einen Aufschub Ihres Urteils, bis das
Bundesverfassungsgericht zu unserer Beschwerde Stellung genommen haben wird. PS:
Das BVG hat 2004 unsere Beschwerde nicht zur Entscheidung zugelassen.
Schlusswort am 5.11.2oo2 in Amtsgericht Cochem:
Als juristische Fachleute wissen Sie besser als ich, wie oft
allein in der deutschen Geschichte rückblickend festgestellt werden musste,
dass es ungerechte Gesetze gegeben hat, deren Befolgung strafwürdig ist -
ungerechte Gesetze, durch die das Gewissen der Täter zum Schweigen
gebracht wurde.
Angesichts des durch Legalität vermittelten Terrors des
Nationalsozialismus ist es fragwürdig, wenn Juristen heute behaupten, ziviler
Ungehorsam, symbolische Rechtsverletzung schade dem allgemeinen
Rechtsbewusstsein. Der Richter Theodor Seidel des Berliner Landgerichtes hat
1991 in dem sogen. Mauerschützenprozess gesagt, dass deutsche Gerichte schon
nach 1945 Anlass hatten, über staatlich gesetztes Unrecht entscheiden zu müssen.
Er hat das Rechtsbewusstsein der Bürger, die persönliche Gewissensprüfung am
Ende des 20. Jahrhunderts gefordert. Kein Bürger dürfe sein Gewissen
abschalten, wenn es um Tötung von Menschen im Sinne der Obrigkeit geht. Wenn
wir widerstandslos die Drohung und den sehr wahrscheinlichen Einsatz von Atomwaffen dulden, wie können wir dann -
ich menschlich und
Sie juristisch - vor den folgenden Generationen bestehen? - Unseren
Kindern und Enkeln?
Dr.
Erika Drees
Unsere tiefste
Angst
»Unsere tiefste Angst
ist nicht, dass wir unzulänglich sind.
Unsere tiefste Angst
ist,
dass wir grenzenlose
Macht in uns haben.
Es ist unser Licht und
nicht unsere Dunkelheit,
vor dem wir uns fürchten.
Wer bin ich schon,
fragen wir uns,
das ich schön,
talentiert und fabelhaft sein soll?
Aber ich frage dich,
wer bist Du, es nicht zu sein?
Du bist ein Kind
Gottes. Dich kleiner zu machen dient unserer Welt nicht.
Es ist nichts
Erleuchtendes dabei,
sich zurückzuziehen
und zu schrumpfen,
damit andere Leute
nicht unsicher werden,
wenn sie in deiner Nähe
sind. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes,
die in uns ist, zu
offenbaren.
Sie ist nicht nur in
einigen von uns,
sie ist in jedem von
uns.
Wenn wir unser eigenes
Licht strahlen lassen, geben wir unterbewusst unseren Mitmenschen
die Erlaubnis, dasselbe
zu tun."
Auszug
aus Nelson Mandelas Antrittsrede als Präsident von Südafrika
Der Berg weint
Was habt ihr hier getan?
Wisst ihr eigentlich, wie alt ich bin, was ich euch an
wertvollem Salz gegeben habe, das Gold der Erde?
Ich weine Tränen. Ja, ihr könnt
sie auffangen, sie gehen auch sonst nicht verloren, aber sie haben Wirkung,
Tiefenwirkung, ich will gesehen und gehört werden. Wenn ihr meine Wunde
verschließt, wird sie aufbrechen, wie ein bösartiges Geschwür. Wird euch das
beeindrucken? Ihr habt mich zutiefst verwundet und ich bitte euch, mich nun
nicht alleine damit zu lassen.
Die Asse ©
A. Saalbach
Vielleicht ist es sinnlos, was wir tun. Vielleicht ist es tatsächlich
viel sicherer, den Atommüll wartungsfrei zu vergraben, weil schon die Menschen
in 100 Jahren keine Ahnung mehr davon haben, dass es Atommüll gibt. Vielleicht
stirbt mit uns auch die Idee eines anderen Umgangs mit diesem Thema. Es geht uns
bei unseren Aktivitäten aber auch darum zu zeigen, dass Atomtechnik auch heute
keine Alternative ist. Nirgends wird dies so deutlich wie bei der Frage der
atomaren Abfälle und Entsorgung.
Weltweit ist der radioaktive Müll bisher irgendwo vergraben
oder im Meer versenkt worden. Gerade in den Anfangsjahren der Atomtechnologie
war der Umgang mit diesen Stoffen noch sehr unbekümmert, weil auch die
generationenübergreifenden Auswirkungen nur in Ansätzen im Bewusstsein der
handelnden Personen waren.
Sicher hat jede von Menschen erfundene Maschine und Technik
auch nachteilige Auswirkungen für die Menschen und ihre Umwelt. Sicher gibt es
auch Technologien, die Auswirkungen auch für die uns nachfolgenden Generationen
haben. Doch keine hat eine solch lange, für das menschliche Vorstellungsvermögen
nicht begreifbare Wirkung in die Zukunft.
Hätten alle an der Entwicklung dieser Technologie
Beteiligten in jedem Augenblick alle sich ergebenden Konsequenzen, die uns heute
bekannt sind, in ihrem Bewusstsein gehabt – ich glaube, dass die Entwicklung völlig
anders verlaufen wäre, und diese Technik hätte niemals eine Chance gehabt.
Doch so hat sich eine Entwicklung verselbstständigt, weil niemand die
Gesamtverantwortung hatte und hat - jedeR ist nur ein kleines oder auch größeres
Teil des Ganzen. Diese Fähigkeit des Menschen zu Arbeits- und
Verantwortungsteilung eröffnet uns ungeahnte Möglichkeiten. Sie birgt aber
auch unermessliche Gefahren in sich, wenn wir nicht lernen, konkret
verantwortlich mit diesen Möglichkeiten umzugehen.
Global denken und lokal handeln – auf allen Ebenen
menschlichen Zusammenwirkens. Verantwortungsbewusstsein für das globale Ganze
und verantwortungsbewusstes Handeln im persönlichen, beruflichen und privaten
Leben. Sich dieser Herausforderung zu stellen, bereichert unser Leben, unseren
Horizont und unsere Vorstellung von Zukunft. Sie kann uns zum Sinn unseres
Lebens führen, weit über das Alltägliche hinaus.
So
ist der Versuch eines anderen Umgangs mit atomaren Abfällen keine technische,
sondern in ersten Linie eine Frage nach menschlichem Streben und
verantwortlichem, zukunftsorientiertem Handeln. Es gibt keine Erfolgsgarantie,
aber es lohnt sich, es zu versuchen. Johannes
Geschichte
der 3 Götter
Drei Götter treffen sich und denken über die Frage nach,
wohin sie die größte Kraft des Universums verstecken könnten, um es vor dem
Zugriff der Menschen zu schützen. Der erste schlägt vor, es auf den höchsten
Berg der Erde zu schaffen, darauf wenden die andern ein, der Mensch könne den
Berg besteigen. Dann schlägt der zweite vor, den Grund des Meeres zu nehmen,
auch da ist die Befürchtung, der Mensch könne jene Tiefe ergründen. Also schlägt
der dritte und weiseste vor, die größte Kraft des Universums in die Menschen
selbst zu geben, weil der Mensch nicht auf die Idee kommen wird, dort danach zu
suchen.
WO IST GOTT,
wenn ein Flugzeug in
ein Hochhaus rast?
WO IST GOTT,
wenn Bomben in Bussen
explodieren?
WO IST GOTT,
wenn Millionen in
Raketenabwehrsysteme gesteckt werden und Millionen verhungern?
WO IST GOTT,
wenn der Müll in den
Ozeanen versinkt und die Ozeane im Müll, und WO, wenn die grünen Stellen auf
der Karte plötzlich grau werden?
WO IST GOTT,
als der Atomkrieg in
den Städten aufstieg?
WO IST GOTT,
wenn eine humanitäre
Katastrophe auf die andere folgt? und WO, wenn Erdbeben und Überschwemmungen
immer wieder dort auftreten, wo die Menschen ohnehin schon ums Überleben kämpfen?
WO IST GOTT,
als sechs Millionen
vergast wurden?
WO IST GOTT,
als auf dem Platz des
Himmlichen Friedens Panzer Menschen überrollen?
WO IST GOTT,
wenn täglich
zweihundert Tier- und Pflanzenarten auf der Erde aussterben?
WO IST GOTT,
wenn Menschen, die an
ihn glauben, andere Menschen töten?
WO IST GOTT,
wenn die Nachrichten
jeden Tag von Gewalt, Hunger, Verzweiflung, Intoleranz und Toten geprägt sind?
DIE MENSCHEN FRAGEN:
„Wo ist Gott, warum tut er nichts, wie kann er dieses
schreckliche Unrecht zulassen?"
GOTT FRAGT:
„Wo seid ihr, warum tut ihr nichts, wie könnt ihr dieses
schreckliche Unrecht zulassen?"
Thomas Lange
Von einem Oberschüler Köln geschrieben, als 2003 der Klassenlehrer
„dichten „ auf den Lehrplan gesetzt hatte.
Es
interessiert mich nicht
Es interessiert mich nicht, womit du dein Geld
verdienst.
Ich will wissen, wonach du dich sehnst und ob du
die Erfüllung deines Herzenswunsches zu träumen wagst. Es interessiert mich
nicht, wie alt du bist. Ich will wissen, ob du es riskierst, dich zum Narren zu
machen, auf deiner Suche nach Liebe, nach deinem Traum, nach dem Abenteuer des
Lebens.
Es interessiert mich nicht, welche Planeten ein
Quadrat zu deinem Mond bilden. Ich will wissen, ob du deinem Leid auf den Grund
gegangen bist und ob dich die Ungerechtigkeiten des Lebens geöffnet haben, oder
du dich klein machst und verschließt, um dich vor neuen Verletzungen zu schützen.
Ich will wissen, ob du Schmerz - meinen oder deinen eigenen - ertragen kannst,
ohne ihn zu verstecken, zu bemänteln oder zu lindern. Ich will wissen, ob du
Freude - meine oder deine eigene - aushalten, dich hemmungslos dem Tanz hingeben
und jede Faser deines Körpers von Ekstase erbeben lassen kannst, ohne an
Vorsicht und Vernunft zu appellieren oder an die Begrenztheit des Menschseins zu
denken. Es interessiert mich nicht, ob das, was du mir erzählst, wahr ist. Ich
will wissen, ob du andere enttäuschen kannst, um dir selbst treu zu bleiben; ob
du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst, um deine eigene Seele nicht zu
verraten; ob du treulos sein kannst, um vertrauenswürdig zu bleiben. Ich will
wissen, ob du die Schönheit des Alltäglichen erkennen kannst, selbst wenn sie
nicht immer angenehm ist und ob ihre Allgegenwärtigkeit die Quelle ist, aus der
du die Kraft zum Leben schöpfst. Ich will wissen, ob du mit Unzulänglichkeit
leben kannst - meiner und deiner
eigenen - und immer noch am Seeufer stehst und
der silbrigen Scheibe des Vollmonds ein uneingeschränktes „Ja!" zurufst.
Es interessiert mich nicht, wo du wohnst oder wie
reich du bist. Ich will wissen, ob du nach einer kummervoll durchwachten Nacht
zermürbt und müde bis auf die Knochen aufstehen kannst, um das Notwendige zu
tun, damit deine Kinder versorgt sind. Es interessiert mich nicht, wen du kennst
oder wie du hierher gekommen bist. Ich will wissen, ob du inmitten des Feuers
bei mir ausharren wirst, ohne zurückzuweichen.
Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit
wem du studiert hast. Ich will wissen, was dich von innen heraus trägt, wenn
alles andere wegbricht. Ich will wissen, ob du mit dir selbst allein sein kannst
und ob du den, der dir in solch einsamen Momenten deines Lebens Gesellschaft
leistet, wirklich magst.
(aus: „Die Einladung*1 von Oriah
Mountain Dreamer)
Achtsamkeit
Stell dir vor, du schaltest zu Hause das Licht ein, dann ist
dies ein für dich ganz normaler, alltäglicher Vorgang. .... Halte einen Moment
inne, und vergegenwärtige dir, was dies in der menschlichen Entwicklung
bedeutet, in den Jahrmillionen der Existenz dieser Erde.
Damit dieses Licht beginnt zu brennen, braucht es riesige
Kraftwerke, die zu entwickeln und zu bauen ein einzelner Mensch in seinem ganzen
Leben nicht in der Lage ist. Es braucht Kupfer, das seit langer Zeit in der
afrikanischen Erde verborgen war. Es
brauchte Generationen von Menschen, die mit unermüdlichem Streben und Forschen
die Glühlampe erfunden haben. Es brauchte Menschen, die Kunststoffe entwickelt
haben, damit du nun deinen Schalter betätigen kannst, ohne einen elektrischen
Schlag zu bekommen. Um diese Kunststoffe herzustellen, braucht es Erdöl, das in
der irakischen Erde in Jahrmillionen entstanden ist. Es braucht Schiffe und Kräne.
Es braucht Managerinnen, Arbeiter und Putzfrauen. Es braucht Bergwerke, Nachtschichten
und Schraubenzieher.
Mit dem einfachen Betätigen dieses Schalters bist du mit der
ganzen Entwicklung menschlichen Seins und menschlichen Strebens verbunden.
Du bist verbunden mit dem menschlichen Bedürfnis nach Licht, nach
Sicherheit und Geborgenheit. Du bist verbunden mit dem Tod zahlreicher Menschen,
die bei der Entwicklung und dem Betrieb dieser Technik zu beklagen sind. Du bist
verbunden mit dem riesigen Potential menschlicher Kreativität. Du bist
verbunden mit dem jahrelangen Konflikt um die Atomtechnologie und ihre Folgen.
Du bist verbunden mit all denen, die genau wie du ans Stromnetz angeschlossen
sind. Und du bist auch verbunden mit den Menschen - der Mehrheit der Menschen
heute auf dieser Erde - die keinen Lichtschalter haben und kein Licht
einschalten können. Johannes
Zurück